RaumZeit • SpaceTime

(english version below)

 

Mir wird schnell alles zu viel. Zu viele Eindrücke. Zu viele Menschen. Zu viele Klänge. Meine Psychologin meinte, ich sei manisch-depressiv. Meine Therapeutin meinte, ich sei hochsensibel. Ich meine, Schubladen sind scheisse. Definitionen trennen mehr als sie zu vereinen vermögen, und dass die Schulmedizin im psychologischen Bereich bisher versagt hat, ist wohl mittlerweile den meisten Menschen klar. Unser Wohlbefinden hat nicht nur mit Hirnchemie zu tun. Unser Suchtverhalten auch nicht. Viel ausschlaggebender ist, wie es unserem Herzen geht. Denn dem Herzen der meisten Menschen geht es nicht sonderlich gut, weswegen sie auch anfällig werden auf Krankheiten und Depressionen. Dies hat einerseits mit unserer heutigen Ernährung zu tun, die ihrerseits aber auf ein noch viel tieferes Problem hindeutet; so, wie wir uns nur "noch schnell" etwas zu essen bereiten und es hinunterschlingen, um das nächste Projekt auf unserem Plan anzugehen, so leben wir auch "noch schnell". Herz gebrochen? Pflaster drauf, gut ist. Stress auf der Arbeit? Einmal im Monat in die Massage gehen, gut ist. Keine Zeit für sich selber? Einmal in der Woche ins Fitnessstudio, gut ist.

 

Was wir bei alledem vergessen, ist, dass sich unsere Gesellschaft durch die Industrialisierung in den letzten hundert Jahren extrem verändert hat. Noch unsere Grossväter waren nicht ständiger Beschallung durch Werbung ausgesetzt. Die meisten hatten damals weder ein Radio noch tausend Gratiszeitungen, die ihre Meinung und somit ihr tägliches Wohlbefinden mitbestimmten.

 

Als gelernte Buchhändlerin blutet mein Herz, wenn ich zugebe, dass ich seit einigen Jahren gänzlich auf Nachrichten verzichte. Aber seit definitiv erwiesen ist, dass die CIA gelogen hat, um in gewisse Länder einzumarschieren, und weder die Politik noch die Medien diese Beweise kritisch überprüften, glaube ich gar niemandem mehr, der mir nicht von seinen gänzlich eigenen Erfahrungen berichtet. Und ich bin mir sicher, damit nicht alleine zu sein - womit wir wieder beim eigentlichen Thema wären. Wir leben in Zeiten des steten Misstrauens, und die Medien tragen mit ihrer reisserischen Berichterstattung dazu bei, dass wir grundsätzlich jeden, aber vorallem das Leben an sich als Bedrohung wahrnehmen. Ständig sind wir umgeben von schlechten Nachrichten aus aller Welt, die gleichzeitig eine ungemeine Hilflosigkeit in uns auslösen, da immer die Probleme, aber nur höchst selten auch Lösungen thematisiert werden.

 

Ich weiss nicht, wieviel bewusstes System hinter diesem ganzen Wahnsinn steckt. Was ich aber weiss, ist, dass diese stete Bombardierung mit Werbung und negativen Schlagzeilen das Unterbewusstsein in einen ständigen Zustand von Angst, Misstrauen und Stress versetzt, dem es irgendwie zu entrinnen versucht. Die Einen treiben übermässig Sport, Andere greifen zu Alkohol, Koffein, Zucker, Fett, Medikamenten oder anderen bewusstseinsverändernden Substanzen, um dem stetigen Unwohlsein der Seele irgendwie zu entfliehen, da sie ja nicht wissen, woher dieses Unwohlsein kommt. Wieder Andere kommen noch weniger damit klar, dass sich neben allem anderen auch noch unsere Gesellschaft immer weiter voneinander entfernt, und entwickeln psychische Störungen wie Depressionen und BurnOut oder werden körperlich krank. Es ist ziemlich interessant, dass viele, besonders die erwähnten psychischen Symptome, viel häufiger in der westlichen Gesellschaft auftauchen als in Gemeinschaften, die der Westen als "unzivilisiert" bezeichnet.

 

Die Therapie für dieses ständig gestresse Unterbewusstsein ist nicht, sich mit irgendwelchen Substanzen zuzuschütten. Nimm Dir Zeit für Dich selber. Setz Dich einmal am Tag für fünf Minuten hin und frag Dich selber, wie es Dir geht. Lass die Emotionen, die als Antwort hochkommen, zu. Werte sie nicht, sondern akzeptiere sie alle als einen Teil von Dir. Sag Dir selbst, wie gern Du Dich hast, so, als würdest Du das Deinem Lieblingsmenschen sagen. Und bitte, meine es auch so. Wir alle sind wertvoll. Wir alle sind wichtig. Dir Zeit für Deinen Raum zu nehmen klärt Deine innere Unruhe und beruhigt Deinen Geist.

 

 

SPACETIME

 

Everything is getting too much for me very quickly. Too many impressions. Too many people. Too many sounds. My psychologist said I was manic-depressive. My therapist said I was highly sensitive. I say labels are shit. Definitions separate more than they can unite, and that conventional medicine has failed in the psychological field so far is probably clear to most people by now. Our well-being is not just about brain chemistry. Our addictive behavior neither. Much more crucial is how our heart is. Because the heart of most people is not doing very well, which is why they also become vulnerable to diseases and depression. On one hand, this has to do with our diet today, which, however, points to a much deeper problem; just as we "eat fast", cook something and eat it quickly to tackle the next project on our plan, we also "live fast". Broken heart? Band-aid on it, and you're fine. Stress at work? Get a massage once a month, and you're fine. No time for yourself? Go to the gym once a week, and you're fine.

 

What we forget in all of this is that our society has changed radically through industrialization in the last hundred years. Even our grandfathers were not exposed to the constant influence of advertising as we are today. Most of them had neither a radio nor a thousand free newspapers that shaped their opinions and thus their daily well-being.

 

As a trained bookseller, my heart is bleeding when I admit that I've been avoiding all kind of news for a few years now. But since it has definitely been proven that the CIA lied to invade certain countries, and neither politicians nor the media critically reviewed this evidence, I do not believe anyone who does not tell me about their own personal experiences anymore. And I'm sure I'm not the only one - which brings us back to the real topic. We live in times of constant mistrust, and the media, with their rousing coverage, make us perceive everyone, but especially life itself, as a threat. We are constantly surrounded by bad news from all over the world, which at the same time unleash a tremendous helplessness in us, because always the problems, but only very rarely also solutions are addressed.

 

I do not know how much conscious system is behind all this madness. But what I do know is that this constant bombardement with advertising and negative headlines puts the subconscious mind in a constant state of fear, mistrust and stress that it somehow tries to escape. Some exercise excessive sports, others resort to alcohol, caffeine, sugar, fat, medications or other substances that change consciousness in order to somehow escape the constant discomfort of the soul, because they do not know where this malaise comes from. Others can't handle that, on top of everything else, our society is growing further and further apart from each other, hence they develop mental disorders such as depression and burnout or become physically ill. It is quite interesting that many, especially the mentioned mental symptoms, are much more common in Western society than in communities the West calls "uncivilized."

 

The therapy for this constantly stressed subconscious is not to calm it down with a substance. Take time for yourself. Sit down once a day for five minutes and ask yourself how you are. Let the emotions come up in response. Do not value them, but accept them all as a part of you. Tell yourself how much you love yourself, as if you were saying that to your favorite human. And please, mean it. We are all valuable. We are all important. Taking time for your space clears up your inner restlessness and calms your mind.

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